Instagram verfällt zum Nerv-Shopping-Kanal

Die folgende Situation kennst Du sicher: Du hörst ein neues Lied im Radio und findest es gut. Nach und nach spielen es immer mehr Radiosender und die Programmchefs der Stationen erhöhen zudem die Rotation des Liedes. Was passiert? Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich das zuerst gut gefundene Lied zum absoluten Nerv-Lied und Du schaltest das Radio irgendwann aus.

So ähnlich läuft es z. Zt. auch auf Instagram.

Die App dient dem Zweck eigene Impressionen in Form von Fotos und kurzen Videos, den sogenannten „Insta-Stories“, festzuhalten und mit Menschen teilen zu können.

Umso überraschender ist es zu sehen wieviele Blogger auf Instagram, die eine gewisse Reichweite an Followern vorweisen können, zunehmend identische „Erlebnisse“ und „Eindrücke“ präsentieren.

Die Anzahl der Mädels, die ich bei ihrer „Morgenroutine“ mit ein und denselben Pflegeprodukten aus Kokosnussextrakten beobachten durfte, kann ich nicht mehr zählen. Angefangen von der Waschseife übers Peeling bis hin zu Lotions und Masken dürfen wir jeden Schritt beobachten und alle Produkte sind natürlich essentiell notwendig um die gewünschte weiche und reine Haut der Bloggerin zu erhalten. Jedoch sieht man die gleiche Bloggerin in regelmäßigen Abständen bei einer Kosmetikerin zur professionellen Hautbehandlung. Ich erwähne es am Rande, dass die Kosmetikerin zur Behandlung nicht die selben Produkte benutzt und warum besteht überhaupt Handlungsbedarf eines Profis, da doch die beworbenen Zauberprodukte für reine und schöne Haut im eigenen Badezimmer stehen?

Aber nicht nur die äußere auch die innere Schönheit darf gepflegt werden, z.B. mit fragwürdigen Sättigungskapseln und Proteinpülverchen. Da die Dame von Welt entweder ein paar Kilos abnehmen oder sich gesünder ernähren möchte, empfiehlt sie uns unbedingt diese Produkte, mit denen werden wir auf jeden Fall eine Kleidergröße verlieren oder mehr Glow im Gesicht bekommen. Bewegung an der frischen Luft und bewußtere Ernährung bringen uns dem gewünschten Ergebnis sicher näher als die Einnahme dieser Produkte, die zudem eher unsere Geldbörse als unser Taillienfett schmälern werden. Herzerfrischend lustig finde ich es, wenn die diätende Bloggerin anschließend postet, wie lecker ihr Abendessen bestehend aus Döner, Pizza, Burger oder dem All-You-Can-Eat-Buffet mal wieder war! Nun, vielleicht war ja heute ihr Cheatday?!

Zuletzt streut der Blogger seinen Shoppingcode von den jeweiligen „Must-Haves“ in regelmäßigen Abständen in seinen Stories und Fotos um auch den letzten Follower dazu zu bewegen, den Kram zu kaufen.

Natürlich verstehe ich die „Blogger“ die ihr Geld vedienen wollen; aber gerade da liegt der Hund begraben!

Auf der einen Seite stellt man die Glaubwürdigkeit des Bloggers einfach in Frage, wenn seine Stories wie eine Kopie des Teleshoppingkanals ausschauen und auf der anderen Seite wenn diese ganze Werbung nicht als solches gekennzeichnet ist. Die sozialen Netzwerke konnten bislang von Unternehmen wunderbar zur Schleichwerbung und Produktplatzierung genutzt werden, da sich diese in einer rechtlichen Grauzone bewegten. Doch inzwischen sind auch dort die Zügel in Form von Abmahnungen und Geldstrafen angezogen worden. Blogger und Unternehmen müssen es kennzeichnen (#werbung), wenn eine gezielte Produktplatzierung stattfindet. Ich habe die Hoffnung, dass sich dieser Werbewahnsinn auch durch die Follower regulieren wird. Denn im Endeffekt sind sie es, die entscheiden, ob sie sich dem langweiligen Einheitsbrei anschauen oder einfach den Knopf „nicht mehr folgen“ drücken werden. Ich kenne zumindestens niemanden, der sich die Werbepause im TV freiwillig und mit Freude anschaut.

 

Nicole Hölscher

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